Eine Geschichte über das Joggen am Phoenixsee in Dortmund Hörde

Früh morgens um 6.30 Uhr ist Heike bei joggen in Hörde...

Früh morgens um 6.30 Uhr ist Heike beim Joggen in Hörde. Der Anstieg an der Weinbergstrasse ist schon immer eine Herausforderung, aber heute ist der Qualm aus dem Stahlwerk besonders dick. Fünf Schritte, husten, zehn schritte husten, zwei schritte und Maske auf. Die Maske ist Heikes ständiger Begleiter bei Ihren Frühsport, denn sie wohnt ausgerechnet im dreckigsten Stadtteil von Dortmund, direkt neben einem riesigen Stahlwerk, das solche großen Mengen an dreckiger Luft produziert, das Heike manchmal glaubt Hörde ist für den ungesunden Ruf des gesamten Ruhrgebietes verantwortlich.

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Die Maske ist eine Spezialanfertigung aus Japan, die sich perfekt an Heikes Gesicht anschmiegt und Ihr tatsächlich das Gefühl von sauberer Luft gibt.  Nachdem Sie die Maske wieder aufgesetzt hat joggt Heike weiter den Berg hinauf und stellt sich vor, sie joggt gerade am Bodensee. Die frische Seeluft kitzelt in der Nase, Wasservögel krächzen und singen ihre morgendlichen Lieder und die Atemluft die Heike ausstößt formt kleine weiße Wolken in den Sonnenaufgang. Verträumt läuft Sie ihre Runde, vorbei an einer Strasse mit dem Namen „Am Rebstock“ und denkt sich das passt ja perfekt zu meiner Bodensee-Traumwelt…

Als Gesundheitsexpertin hat sich Heike dem Wohlbefinden anderer Menschen verschrieben. Besonders hier in Ihrer Heimat gibt es seit langer Zeit Probleme mit der Gesundheit. Starke Umweltverschmutzung, gepaart mit harter Arbeit, fettiger Ernährung, wenig Bewegung und natürlich den berühmten Feierabendbierchen in der Kneipe an der Ecke, haben die Menschen in Hörde krank werden lassen.

Nicht alle, aber die Meisten wünschen sich ein besseres Leben. Sie wollen gesünder Leben, wissen aber nicht wie sie es anstellen können. Genau hier liegt die große Motivation von Heike. Sie möchte den Menschen in Hörde dabei helfen das Leben zu genießen ob durch Bewegung, Training, gesunde Ernährung oder Entspannung, Zufrieden- & Gelassenheit – Heike sieht Gesundheit ganzheitlich.

Die größte Herausforderung ist jedoch die schlechte Luft in Hörde. Heike kann ja nicht einfach das Stahlwerk abreisen. Mal ganz davon abgesehen, dass über 20.000 Menschen plötzlich arbeitslos wären und Dortmund Hörde zwar viel gesündere Einwohner hätte, aber auch viel weniger. Allen Menschen eine Atemschutzmaske zu verpassen wäre unbezahlbar und die Hörderinnen und Hörde würden sie sowieso nicht tragen, schon aus Komfortgründen. Was also tun?
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Während Sie in Gedanken versunken nach einer Lösung für die großen Herausforderungen die Hörde bevorstehen nachdenkt, kommt Ihr eine Kolonne von Arbeitern entgegen. Sie tragen alle Blaumänner und haben Helme, Werkzeuge und Geräte in den Händen. Es ist eigentlich nichts besonderes, dass Heike diese Begegnung um 7.00 Uhr morgens in Hörde hat. Aber diese Arbeiter sehen irgendwie anders aus.

Dann fällt es ihr wie Schuppen von den Augen. Es handelt sich um chinesische Arbeiter. Seit wann importieren wir Chinesen für die Arbeit, die wir Hörder in unserem Stahlwerk seit Einhundert Jahren perfekt beherrschen? Heike kann sich keinen Reim darauf machen und fragt sich bis sie wieder zu Hause ist, was es mit diesen vielen Chinesen wohl auf sich hat.

Zu Hause angekommen öffnet sie die Wohnungstür und stolpert Gedankenversunken über ihre eigene Türschwelle. Sie fällt hin aber schafft es sich so abzufangen, dass sie wie in einem Liegestütz langsam zu Boden sinkt. Mit geschlossenen Augen flucht sie in sich hinein und hat dabei völlig vergessen über was sie den ganzen Weg so intensiv nachgedacht hat. Bis sie langsam die Augen wieder öffnet und direkt vor sich auf dem Boden die Tageszeitung sieht. Die Schlagzeile lautet: Die Chinesen holen sich heute unser Stahlwerk!

Schnell überfliegt sie den Artikel und kann es kaum fassen, wie sich plötzlich alles zu einem großen Ganzen fügt. Ein chinesisches Unternehmen hat das Stahlwerk in Dortmund Hörde gekauft und lässt es nun von eigenen Mitarbeiter abbauen und in China wieder aufbauen. Nachdem die Arbeiten abgeschlossen sind wird das Grundstück von der Stadt gekauft und umgenutzt. Es werden diverse Möglichkeiten beschrieben, was an dieser Stelle entstehen könnte, aber eine Variante springt Ihr sofort ins Auge und wird Heike ab diesen Moment nie wieder loslassen: Es könnte ein neuer See mitten in Dortmund Hörde entstehen!laufen-am-phoenixsee

Das war der initiale Startschuss für das politische Engagement von Heike. Von diesem Tag an kämpfte sie in tausenden Gesprächen, Veranstaltungen, Vorträgen über Gesundheit und die Zukunft in Dortmund Hörde für den neuen See, der Phoenixsee heißen soll. Zum Glück gab es von Beginn an hunderte Hörderinnen und Hörder, Mitstreiter, Überzeugungstäter und Idealisten die den selben Traum wie Heike verfolgen! Mit viel Hingabe erreichten Sie schließlich Ihr Ziel und ein Traum wird wahr:

10 Jahre später:
Früh morgens um 6.30 Uhr ist Heike bei joggen in Hörde. Der Anstieg an der Weinbergstrasse ist schon immer eine Herausforderung aber heute blitzt zwischen die Häusern die aufgehende Sonne hervor, die sich grell im neuen Phoenixsee spiegelt. Heike kann nicht anders, sie biegt ab und läuft den Berg hinunter zum See. Seit diesem Tag hat Heike eine neue Strecke zum joggen.

Die neue Jogging-Strecke führt immer am Ufer des Sees entlang, vorbei an den drei kleinen Inseln, die den Vögeln vorbehalten sind und die mit lauten Gezwitscher auch für die Ohren ein Highlight sind. Vorbei am Rebstock, nicht die Strasse „Am Rebstock“ wie früher, sondern an einem echten Rebstock, den die Bewohner und die Stadt in Erinnerung an die Weinbaugeschichte von Hörde angelegt haben. Vorbei an Mats Hummels einem Fussballspieler von Borussia Dortmund der gerade mit seine Hund Gassi geht und vorbei am „Thomaskonverter“, der an die „Stahlzeit in Hörde“ erinnert und auf der „Kulturinsel“ im Phönix-See steht.

Heute glaubt Heike immer noch zu träumen, aber es ist kein Traum. Es ist die neue Wirklichkeit die mit der Hilfe von vielen engagierten Hörerinnen und Hördern aus einem gemeinsamen Traum geschaffen wurde! Zufrieden läuft Heike weiter und fragt sich beiläufig „Was wir in Hörde wohl in Zukunft alles gemeinsam noch erreichen werden?“joggen-am-phoenixsee

Extro:
Vielleicht ist es Dir aufgefallen, aber Heike wurde von mir erfunden. Sie steht aber für hunderte engagierte Bürgerinnen und Bürger in Dortmund Hörde, die gemeinsam große positive Veränderungen verwirklicht haben. Vielen Dank dafür!

Text: Marco Lachmann-Anke
Fotos:
von 2000-07_Hoesch_Phoenix-ost.jpg: Bassaar, GFDL 1.2
von Peggy Anke, Creative Commons CC0

Marco

Online Marketing Experte bei visualtektur
Seit 2004 wohne und arbeite ich in Dortmund Hörde und fühle mich hier sehr wohl! Meine Leidenschaft ist es "kleine" Menschen/Unternehmen/Orte (wie Hörde) ganz groß rauszubringen...

4 Kommentare

  1. Gaby Schulten

    Hallo,
    Phoenix – nicht mit ö

    1. Marco

      Danke für den Hinweis

    2. mit Rechtschreibung und Grammatik hapert es auch an anderen Stellen!
      Schade, Sprache ist auch Ausdruck von Kultur.

      1. Marco

        Vielen Dank für den Hinweis!

        Gibt es denn konkretes? Leider sind alle Beteiligten freiwillig und unbezahlt dabei. Das Projekt ist eine Initiative der Hörderinnen und Hörder und leider keine von ausgewiesenen Dudenexperten.

        Wir sind jedoch jeder helfenden Hand sehr dankbar und wenn Sie sich mit Rechtschreibung auskennen, dann würden wir uns über konkrete Angaben sehr freuen.

        Wir können Ihnen auch gerne einen Zugang freischalten 🙂
        Vielen Dank schonmal im voraus!
        Marco

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